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Für viele die einzige Chance

Berching (DK) „Die kommen ja doch nur ein einziges Mal, und dann siehst du sie nie wieder!“ Diesen Satz hat der 25-jährige Hermann von Mithäftlingen oft schon gehört, seit sich mit 18 Jahren und kurz nach seiner Gärtnerlehre erstmals die Gefängnistore in Nürnberg hinter ihm schlossen. Damals wurde der junge Mann aus gutbürgerlichen Verhältnissen und mit Erfahrungen in der Rauschgiftszene auf Bewährung wieder frei gelassen.

Oft ist sie der einzige Halt nach der Entlassung: Angelika Lang aus Berching hat das Hilfswerk Set-Free gegründet, das Ex-Häftlingen zurück ins Leben hilft. Foto: Erl

Ausschnitte aus dem Donaukurier November 2011

Die Richter hofften, dass er aus dem Drogensumpf loskommen würde. Zwei weitere Male ist Hermann inzwischen wieder in verschiedenen Gefängnissen eingesessen, jedes Mal wieder wegen seiner Verflechtungen in den Drogenhandel. Mit „Die“ meinten die Mithäftlinge oft ehrenamtlich tätige Menschen, die mit hohem Engagement und gutem Willen in die Haftanstalten kommen und den Gefangenen Kontakte, Hilfen und soweit möglich ein gutes soziales Umfeld anbieten. Die Angst der Knackis vor der Enttäuschung, dass diese menschlichen Begegnungen mit Personen außerhalb ihrer abgesperrten Welt ohne verwurzelten Bestand bleiben, ist dabei groß.

Natürlich sind die Leute hinter den Gittern keine Unschuldslämmer, sie haben gegen gesellschaftliche Spielregeln mehr oder weniger massiv verstoßen, und viele haben reichliche Riefen in ihrem Kerbholz. Sie wissen, dass sich die Gesellschaft deshalb von ihnen abgrenzt, sich auch räumlich distanziert. Trotzdem – und das weiß Hermann von sich und von anderen – ist die Sehnsucht nach menschlicher Liebe in den Jahren hinter Gitter ihre größte Hoffnung. „Das Absitzen der Strafe alleine ist mit Blick auf eine Resozialisierung, eine Umkehr vom bisherigen Lebensweg, nur kontraproduktiv. Ein Gefängnis ist eine Hochschule der Kriminalität und hier entwickeln sich unter den Gefangenen Netzwerke, die auch nach der Entlassung noch halten. Oft sind es die einzigen Netzwerke, die ein Haftentlassener in der anschließenden Freiheit noch hat und denen er vertraut“, weiß der Ex-Knacki nach eigenen Rückfällen nur zu gut.

Und noch eine Erfahrung fügt er an: „Nur wenn ich was habe, was mich hält, dann habe ich auch eine Chance, aus dem Metier wieder heraus zu kommen.“ Seine Chance fand Hermann in der Haftanstalt Kaisheim, wo er die Berchingerin Angelika Lang von Set-Free e.V. und Leuten aus der Emmaus-Bewegung begegnete. Set-Free, das Netzwerk für Gefangene, hat sich seit der von Angelika Lang im Jahr 2008 mit initiierten Gründung aktive soziale Gefängnisarbeit aus dem christlichen Glauben heraus zur Aufgabe gemacht. „Der Weg in eine andere Zukunft muss im Knast beginnen, die Leute müssen drinnen schon an sich arbeiten und der Gefangene muss sich mit seiner Geschichte auseinandersetzen“, weiß die unkonventionelle Schwester Angelika.  Ihr Ziel ist, die Projekte aus der Set-Free-Arbeit auszubauen und auch personell auf eine breitere Basis zu stellen.

Bislang sind sie und ein paar persönlich sehr engagierte Mitwirkende nahezu ehrenamtlich tätig. Set-Free finanziert diese Arbeiten über Spenden, aktuell stehen dafür monatlich 1400 Euro einschließlich des eigenen Gehalts, der Vergütung für eine Teilzeitangestellte und aller Sachkosten zur Verfügung. Für Hermann kam der Kontakt im Gefängnis zu Schwester Angelika und Set-Free trotz der begrenzten Möglichkeiten gerade noch zum richtigen Zeitpunkt. „Ich habe im Glauben einen festen Halt gefunden und Menschen, die auch nach der Haftentlassung noch mit mir guten Kontakt halten“, sagt er im DK-Gespräch. Nun steht er kurz vor seiner Abschlussprüfung als Gärtnermeister und auch Freundin Sonja (25) unterstützt ihn dabei.

Von Lorenz Erl



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